tropical snow

Patrizia Lohmann
Alexander Ernst Voigt

In der Ausstellung tropical snow  werden großflächige Gemälde von vereisten Berggipfeln mit filigranen Fotogrammen in eine eisig tropische Beziehung gebracht.

Patrizia Lohmann malt mit Licht im Schatten ihrer Dunkelkammer, ihre Pinsel sind Pflanzen, Perlen und verschiedene Objekte. Es entstehen verfremdete, bewegte und beinahe belebte Objekte, die in der Dreidimensionalität zu schweben scheinen.
 Filigranes Blattwerk eines Farns zeichnet sich ab, Palmblätter greifen wie Hände in den Bildraum und im Hintergrund leuchten feine undefinierbare Strahlen. Was verbirgt sich hinter den Silhouetten, die eine so fantastische Wirkung und rätselhaften Charakter hervorrufen?
 In den Fotogrammen der Künstlerin spielt die Natur eine besondere Rolle. Sie sucht dabei gerne den Blick ins Detail und lässt vertrauliche Dinge in neuem Licht – im wahrsten Sinne des Wortes „erscheinen“. Licht und Schatten sind immer Gegenstand ihrer Arbeiten, so wie die Farben Schwarz und Weiß. Doch gerade in diesem Spiel mit den Kontrasten eröffnet sich ein verbindender Zwischenraum in Grautönen; ein Raum voller Nuancen und unterschiedlicher Möglichkeiten.
 Die Werke erinnern an Pflanzen, die bewegt von Wellen oder Wind mal an die Oberfläche treten und wieder in den Hintergrund driften.
 Aus bewusster Komposition und dem Versuch, das Wesen des Lichtes einzufangen, entstehen filigrane Bilder, die den Blick für das schärfen, was erst durch seine Abwesenheit glänzen kann.
 
 Die Gemälde von Alexander Ernst Voigt hingegen sind deutlich kräftiger und sehr viel weniger filigran. Sie sind beinahe so monumental und massiv wie die Motive selbst – Eisberge und verschneite Spitzen von Berggipfeln.
Er behandelt als Maler seine Flächen auf eine spezielle Art und schafft Bilder, die das Malen selbst ins Zentrum der Betrachtung stellen. Ähnliche Bildstrukturen werden immer wieder neu unter anderen bildnerischen Bedingungen variiert, indem er verschiedene Untergründe wählt. So arbeitet er manchmal mit der rohen Leinwand oder einer lackierten Oberfläche. Ähnlich der klassischen Freskenmalerei trägt Voigt die Farbe auch teilweise auf die nasse Grundierung auf und mitunter entstehen sogar direkt auf die Wand gearbeitete Gemälde. Mit unterschiedlichen Pinselstärken und verschiedenen Farbqualitäten probiert er aus wie sich die Bildfläche und Linien in Bezug zueinander und dem verwendeten Material verhalten. Sei es Ölfarbe, Acryl oder sogar Autolack.
Es entstehen nicht nur aufgrund der ungewöhnlich kombinierten Materialien immer spannungsgeladene Bilder, seine beinahe zeichnerisch konstruktive Arbeitsweise lässt parallel angeordnete Linien erkennen, die man als autonome Farbfelder und zugleich als Natur und Landschaft wahrnimmt. Voigt appelliert an unser räumliches Sehen, Empfinden und Reflektieren unserer alltäglichen Erfahrungen.
 
Lesen wir nun den Titel, stellen wir unwillkürlich die Frage nach dem
„tropical snow“ - der tropische Schnee… Zwei Gegensätze, die sich eigentlich absolut konträr gegenüberstehen, sich aber dennoch irgendwie bedingen. Wir lieben das Glitzern der Sonne auf der unberührten Schneedecke bei einem Winterspaziergang oder die Sonnenstrahlen im Gesicht hoch oben auf dem Gipfel beim Skifahren. Wer schon einmal in das Glück hatte einen Gletscher zu besuchen ist fasziniert von der Strahlkraft der Eisflächen.
Aber uns ist gleichzeitig bewusst welchen Einfluss die Wärme der Sonne auch auf derart stabile Eisgipfel haben kann. Lawinen und Schneeschmelze können die Folgen sein. Die Antarktis schrumpft mit erschreckender Geschwindigkeit, die Meeresspiegel steigen und es gibt Überflutungen. Eine gesunde Balance zwischen tropischer Wärme und eisiger Kälte ist unabdingbar um Naturkatastrophen zu vermeiden und den tropischen Schnee weiter bewundern zu können.
 
Patrizia Lohmann
geboren 1981 in Essen, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Karl Kneidel, Prof. Rissa und Herbert Brandl. 2010 machte sie ihren Abschluss als Meisterschülerin bei Prof. Herbert Brandl. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf. 

www.instagram.com/patrizia.lohmann

Alexander Ernst Voigt
ist 1981 in Berlin geboren und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Prof. Jörg Immendorff und Prof. Herbert Brandl. Sein Studium schloss er 2012 als Meisterschüler bei Prof. Eberhard Havekost ab. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. 

www.alexander-ernst-voigt.de